Interview mit Sven Franke

Am 21.11.2019 startet nach zwei komplett ausverkauften Ausgaben endlich wieder Work Awesome, die Konferenz zur Zukunft der Arbeit in Berlin. Von künstlicher Intelligenz bis zu data-driven Human Resources, von radikal neuen Arbeitsformen bis zum Office der Zukunft: Work Awesome verknüpft die TeilnehmerInnen mit den neuesten Ideen und den spannendsten ExpertInnen rund um die Arbeitswelten der Zukunft. Heute beginnen wir eine ganze Serie, in denen wir den Speakern, die wir am 21.11. auf der Bühne haben werden, schon einmal vorab einige spannende Fragen stellen. Viel Spaß!

Wunschgehalt, Einheitsgehalt, transparente Gehaltsformeln: Wer es ernst meint mit New Work, muss sich auch mit New Pay beschäftigen, sagt Sven Franke. Der Autor, Coach und Gründer ist überzeugt, dass es neue Entlohnungsmodelle braucht, um für eine sich wandelnde Arbeitswelt gewappnet zu sein.

Was genau ist New Pay?

New Pay ist natürlich erst einmal ein Kunstbegriff, darunter fallen bekanntere Ideen wie Einheitsgehalt oder Wunschgehalt. Bei dem einen Modell bekommt also jeder gleich viel – egal, wie lange man in der Organisation arbeitet, welche Ausbildung man mitbringt oder welchen Job man macht. Bei dem anderen entscheidet jeder selbst, was er verdienen will - nach eigenen Kriterien. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es unzählige Möglichkeiten. Ein weiteres Beispiel wäre eine transparente Gehaltsformel, die neben einem Fixgehalt aus Komponenten wie einem Expertise-Anteil bestehen.

Warum braucht es New Pay?

Wir haben schnell festgestellt, dass das Thema Gehalt oft tabuisiert wird - auch unter New Workern. Wir haben Organisationen umgebaut, haben Teams in Selbstorganisation gebracht, aber wir sind es immer noch nicht gewohnt, über Gehalt zu sprechen. Dabei brauchen wir New Pay, weil wir anders arbeiten. Was machen wir mit dem Mitarbeiter, der keinen Hochschulabschluss hat, aber die perfekten Kenntnisse und Kompetenzen für meine Organisation mitbringt? Wo sortiere ich den ein? Solche Fragen werden uns in Zukunft viel öfter begegnen. Unsere gesamte Skalierung passt nicht mehr, deswegen brauchen wir neue Entlohnungsmodelle.

„Es gibt keine Blaupausen mehr“

Welche Modelle funktionieren denn gut – und welche bringen Probleme mit sich?

Nehmen wir das Einheits- und das Wunschgehalt. Zwei ganz unterschiedliche Modelle, die aber in sehr ähnlichen Branchen und Geschäftsfeldern existieren. Das scheint erst einmal widersprüchlich, zeigt aber, dass jede Organisation ihr eigenes Modell entwickeln muss. Was für New Work gilt, gilt auch für New Pay: Ich kann nicht mehr beim Nachbarn abschauen, es gibt keine Blaupausen mehr.

Und es ist sehr viel Arbeit, über Gehalt zu sprechen. Nehmen wir das Thema Transparenz, da muss man erst einmal in Vorleistung gehen. Denn Unternehmen verändern sich ständig: Vor zehn Jahren haben die meisten wahrscheinlich nach ganz anderen Kriterien eingestellt als heute. Wenn man dann Transparenz schaffen will, muss man erst einmal die Gehälter angleichen. Bei einem Unternehmen, das ich besucht habe, hat allein dieser Prozess drei Jahren gedauert. Klar ist auch: New Pay lebt von der Gruppe, von der Gesamtorganisation. Wenn jede Abteilung ihre eigenen Ideen entwickelt, ist das der Killer.

Wie kann man in seiner eigenen Organisation mit New Pay anfangen?

Wenn eine Organisation erkennt, dass New Pay für sie ein Thema ist, ist der erste Schritt schon gemacht. Der Auslöser kann dann ganz unterschiedlich sein: Es gibt mit Unternehmen, in denen die Mitarbeiter das Thema auf die Tagesordnung brachten, in anderen kam es eher von den Gesellschaftern. Ich finde es wichtig, dass eine Organisation relativ früh ihren eigenen Weg findet und die richtigen Einstiegsfragen stellt. Wie definiert man beispielsweise Transparenz. Manche Unternehmen verstehen darunter eine transparente Gehaltsformel, die den Weg zum Gehalt offenlegt – dazu müssen aber nicht alle Einzelgehälter transparent werden. Wenn sich dann alle Mitarbeiter gerecht behandelt fühlen, reicht das vollkommen.

Was sind reale Erfolgsbeispiele, die als Vorbild dienen können?

Ich habe mehrere Unternehmen besucht, die New Pay-Modelle eingeführt haben und war von allen beeindruckt. Allen gemeinsam ist, dass die Organisationen mutig genug waren, das auszuprobieren. Bei der Ministry-Group hat man New Pay beispielsweise zuerst im Kleinen ausprobiert, sie haben Testläufe mit zehn Mitarbeitern gemacht. Und die Organisation sollte sich ständig fragen: Ist unser System zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirklich noch das Beste für uns? Das ist grundsätzlich eine gute Herangehensweise, man muss nicht immer gleich eine komplette Revolution anzetteln, man kann auch Schritt für Schritt erproben, was gut funktioniert.

Sven Franke ist Gründer von CO:X und begleitet Unternehmen dabei, neue Wege in der Zusammenarbeit zu gehen. Im März 2017 wurde Franke mit dem New Work Award von Xing ausgezeichnet, am 19. Juni erscheint sein Buch „New Pay - Alternative Arbeits- und Entlohnungsmodelle“ im Haufe-Verlag, für das die Autoren Stefanie Hornung, Nadine Nobile und Sven Franke in mehreren Unternehmen recherchiert haben.

Wenn Sie Lust haben, mit Sven Franke persönlich zu diskutieren, kommen Sie zur Work Awesome. Es geht ganz einfach: Hier gibt´s Tickets! :-)